Gepostet am 
08.05.2011
Aufrufe: 8807

Frank Grafenstein

Spaltung des Landes?

Die Autobahn von Damaskus nach Amman ist frei befahrbar. Am Stadtausgang von Damaskus gibt es Kontrollen durch Armee und zivile Polizisten. Im Süden von Syrien sind entlang der Autobahn in einigem Abstand zur Autobahn Sicherungsposten auf der Seite von Daraa. An allen Zufahrtsstraßen auf dieser Seite gibt es Kontrollposten und Straßensperren.

Nach Daraa kann man zumindest bis zur Stadtgrenze fahren. Davor gibt es zwei Armeekontrollposten die mit Panzerfahrzeugen und schweren Maschinengewehren gesichert sind. Die Mündungen der Waffen zeigen Richtung Daraa Zentrum. Auf den Straßen sieht man die Reste verbrannter Autoreifen, Steine und die Spuren von Panzerfahrzeuge. 

In den Vororten sind die meisten Geschäfte geschlossen. Nach Daraa haben wir eine lange Autokolonne gesehen, die in die Innenstadt fahren möchte. Die Kontrollen scheinen sehr gründlich. Es herrscht eine gespannte Ruhe. Die Bewohner der Außenbezirke gehen - soweit es geht - ihrem normalen Alltag nach. 

Wir mussten an keinem der Posten unsere Reisepässe vorweisen. Es genügte immer die Lizenz unseres Reiseführers.

Die Grenze nach Jordanien bei Nasib ist offen. Der Grenzübergang direkt bei Daraa ist noch geschlossen.

Während im Norden Syriens und in Damaskus Assad-Bilder überall sichtbar sind, sind sie hier im Süden kaum noch zu finden. Die meisten Bildnisse wurden hier zerstört. 

Ausgangspunkt der ganzen Auseinandersetzung war die verletzte Ehre der örtlichen Beduinen Clans in den Ereignissen nach der Verhaftung von zwei Jugendlichen. Es wird sich zeigen ob das Regime die Größe hat, auf dies Clans zuzugehen und sich zu entschuldigen. Immerhin soll der Provinzgouverneur und der Provinzpolizeichef jetzt in Untersuchungshaft sein. Es ist die Bewährungsprobe für den immer noch bei vielen Syren beliebten Staatspräsidenten Bashar al-Assad endlich aus den Fußstapfen seines Vaters und seiner Clique herauszutreten.

Ergänzung vom 5.6.2011: Unsere Freunde vor Ort haben bestätigt, dass sich die Lage sich seit unserem Besuch eher wieder verbessert hat. Wer Fragen hat, kann sich gerne an uns wenden. 

 

Eine gute Adressen in Mitten der Altstadt von Damaskus, das Afnan Hotel. Das Personal ist sehr hilfsbereit. Das Hotel liegt nur wenige Meter von Haus des Ananias - des Mannes der Saulus von seiner Blindheit heilte und ihn als Paulus ins Christentum aufnahm.
Damaskus von oben am Freitag den 6.5. Angeblich sollen in einen Stadtteil Panzer eingefahren sein. Wir haben - außer jeden Menge Bereitschaftspolizei - nichts gesehen. Alles war friedlich, die Restaurants voll, die Stimmung - zumindest in der Innenstadt - locker und gelassen.

19.06.2011

Update 19.6.2011 zur aktuellen Lage in Syrien

Gestern hatte ich wieder Kontakt nach Syrien per E-Mail. Da ich nicht weiß ob die E-Mails mitgelesen werden, hatte ich meine Besorgnis über die aktuelle Lage so gut wie möglich verpackt. Die Antwort enthielt zwei Botschaften: 
1. Die Berichterstattung ausländischer Medien scheint vielen Syrern übertrieben.
2. Ein weiten Teilen des Landes bekommt man nicht viel von den lokal sehr begrenzten Ereignissen mit.

Ich glaube den meisten Syrern ist - noch - Sicherheit, geordnete Verhältnisse und materielles Auskommen wichtiger, als eine Revolution mit ungewissem Ausgang. In unseren Zeitungen gibt es viele Berichte und Kommentare über Syrien. Ich kann nur empfehlen sich sein eigenes Bild zu machen. Als Tourist kann man nach wie vor dorthin reisen. Vielleicht ist es jetzt gefährlicher, als zu dem Zeitpunkt an dem wir dort waren. Aber sobald man in dem Land ist, wird sich vieles relativieren und anders darstellen.

Gravatar: Jens Otto LangeJens Otto Lange
09.05.2011
Diplom-Kommunikationswirt

Hi, Frank, Euch alles Gute weiterhin bei dieser spannenden Reise.. hoffe, alles läuft weiter so glatt in Syrien. Bin schon gespannt auf Deinen Bericht aus dem Libanon. Und dann natürlich alles Liebe zu Deinem Geburtstag. Schönen Gruß Jens

Mein Kommentar

Erfassen

Zurück